Rückblick: Regionales Vernetzungstreffen HANAU

Spielzeugreparatur
Spielzeugreparatur
Reparieren an Schulen
Reparieren an Schulen

Das letzte regionale Vernetzungstreffen für dieses Jahr versammelte Reparatur-Aktive aus 16 Projekten aus dem Rhein-Main-Gebiet in Hanau. Eingeladen hatte das Repair Café Hanau, das von der Stadt Hanau unterstützt wird (angedockt an das Seniorenbüro der Stadt unter der Leitung von Frau Schäfer). Lob für die Aktivitäten der Initiative und die Wichtigkeit des gemeinsamen Reparierens fanden Bürgermeister Weiss-Thiel und Leiterin der Stabsstelle „Nachhaltige Strategien“ Frau Zeller in ihren Grußworten.
 

Kennenlernen
 

In den Tag startete die Gruppe mit einer Vorstellungsrunde, in der Besonderheiten, Zukunftspläne oder aktuelle Herausforderungen vorgestellt wurden – und die bunte Vielfalt der unterschiedlichen Projekte den anwesenden Initiativen viele Impulse mit auf den Weg gab: So erklärte das Repair Café Hanau, dass die Veranstaltungen an anderen Adressen bewusst unter dem Namen „Repair Café on Tour“ stattfinden, um zu zeigen, dass hier nicht die reguläre Veranstaltung zur bekannten Adresse gemeint ist. Eine besondere Aktion in Aschaffenburg war das einmalig ausgerichtete Sperrmüllfest – Gäste konnten ausgediente Gegenstände mitbringen, vor Ort in der Sammlung der anderen Gäste stöbern, Dinge mitnehmen und vor Ort bei Bedarf reparieren – die Entsorgung des übrig gebliebenen Sperrmülls wurde durch eine Kooperation mit der lokalen Abfallwirtschaft geregelt. Das Repair Café Pfungstadt-Eschollbrücken plant einen Reparatur-Tag XXL zum nächstjährigen Internationalen Repair Day (19.10.2019) und freut sich auf reparierende MitstreiterInnen aus der Region. In Büdingen wurde die letzten Wochen und Monate ein Raum in einer alten Druckerei hergerichtet, der ab sofort als Reparaturcafé dient. Auch manche Schwierigkeiten wurden angesprochen: Gäste, die mit aufwändigen Reparaturen vorbei kamen, um die reparierten Gegenstände dann weiterzuverkaufen (Hier kann vielleicht schon am Empfang die Frage nach der persönlichen Beziehung zum Gegenstand Hinweise geben, wie es um die Motivation für den Besuch steht) oder auch ein kommerzieller Reparaturanbieter, der in Obernburg unter dem Namen „Café Repair“ auftritt, damit der Initiative die Gäste streitig macht und für Verwirrung sorgt. Grundsätzlich stimmten alle Projekte zu, dass sie als Ehrenamtliche große Vertrauenswürdigkeit bei den Gästen genießen und die BesucherInnen auch gerne Reparatur- und Kaufberatung in Anspruch nehmen.
> Alle Steckbriefe hier.

 

Synergien von Reparatur-Initiativen und Maker-/Hackerszene
 

Es folgte ein Impulsreferat von Andreas Frisch (Repair Café Aschaffenburg & Schaffenburg e.V.) über mögliche Synergien zwischen Hacker-/Makerszene und Reparatur-Initiativen. Andreas stellte kurz die Hacker- und Makerbewegung vor – Schnittmengen zu Reparaturprojekten liegen vor allem im gemeinsamen Interesse für freien Zugang zu Wissen und Informationen (in Form von Bau- und Schaltplänen). Durch Kooperationen mit lokalen Hacker- und Makerspaces oder FabLabs können beide Seiten voneinander lernen und profitieren:
Reparatur-Initiativen finden in Makerspaces eine gute technische Ausstattung (oft mit Messgeräten, 3D-Druckern, Lasercuttern, CNC-Fräsen,…), viel technisches Knowhow und 3D-Druck-Expertise, jüngere Menschen und Räumlichkeiten, die sich gut auch zum Reparieren eigenen. MakerInnen und HackerInnen können sich gesellschaftlich und nachhaltig engagieren und durch ein Mitwirken im Reparaturcafé Vorurteile im öffentlichen Bewusstsein gegen die Hackerszene abbauen, außerdem praktischer Reparaturkenntnisse erlernen und anwenden. Um den Kontakt herzustellen, am besten den persönlichen Austausch suchen, beispielsweise bei einem der regelmäßig stattfindenden offenen Abende von Makerspaces. Vielleicht kann eine gemeinsame Reparaturveranstaltung organisiert werden oder auch Ideen realisiert über das Reparieren hinaus (Schulprojekte, Upcyclingangebot für Kinder,…)
> Hier die Folien zum Vortrag.
 

Spielzeugreparatur
 

Nach der Mittagspause ging es reparaturpraktischer weiter: Joachim und Gabriele Wiebel vom Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum hatten altes mechanisches Blechspielzeug und Puppen mitgebracht und erklärten, welche Reparaturen auch gut in Reparaturcafés zu bewerkstelligen sind: Bei Blechspielzeug zunächst die Verarbeitung prüfen und auf Roststellen untersuchen um festzustellen, ob es sich um ein altes Sammlerstück handelt (dann besser keine Reparaturen selbst vornehmen). Oft ist die Antriebsfeder kaputt, die ausgeglüht, gekürzt und neu aufgerollt werden kann oder mit einer Feder aus einem anderen Spielzeug ausgetauscht werden kann. Verformte Blechgehäuse können mit einem Fön erwärmt und dann mit Zangen (z. B. aus dem Goldschmiedebedarf) zurechtgebogen werden. Bei vielen blockierten Reifen/Antrieben hilft schon Druckspray und Ballistol, um das Spielzeug wieder zum Laufen zu bringen.
Lockere Puppenarme brauchen ein neues Gummiband, das mit gewissem Spezialwerkzeug eingezogen werden kann. Wenn die Puppenaugen nicht mehr klappen, ist die größte Herausforderung, Ersatzaugen zu bekommen – die werden nicht mehr hergestellt und sind nur noch gebraucht oder aus kaputten Puppen zu beziehen. Ist ein Ersatzauge vorhanden, löst man den Vinylkopf der Puppe ab, erwärmt ihn im Backofen auf 70-75 Grad und kann die Augen dann austauschen. Bitte nicht in Anwesenheit der kleinen PuppenbesiterInnen…
Celluloidpuppen erkennt man am festen Körper, dessen Material spröde riecht und nach Kampfer riecht. Kleine Brüch oder Risse können im Spielzeugmuseum repariert werden – die Puppen bitte nicht zum Verschenken und Spielen für Kinder herrichten, das alte Material ist empfindlich und splittert scharfkantig. Zerbrochene Puppen nicht entsorgen, sie können im Puppenmuseum zur Reparatur anderer Puppen verwendet werden.
> Informationen zur Spielzeugreparatur
 

Reparieren an Schulen


Im Anschluss war Zeit für persönlichen Austausch zu Reparaturhilfsmitteln und –Tricks, Öffentlichkeitsarbeit und weitere Fragen, die sich im Laufe der Veranstaltung bisher ergeben hatten. Zum Ende des Tages beschäftigten sich die TeilnehmerInnen mit dem Thema „Reparieren mit Kindern und Jugendlichen“ – hier berichtete das Repair Café Hanau von einer vor kurzem stattgefundenen Aktion gemeinsam mit Repair Café Aschaffenburg: Die Schule veranstaltete einen Projekttag im Rahmen der „CodeWeek“ (SchülerInnen sollen in dieser Woche digitale Kompetenzen erlernen) – die digitalen Inhalte wurden um Reparatur- und Upcyclingangebote erweitert. So wurden defekte Geräte aufgeschraubt und repariert und aus alten LCD-Bildschirmen Leuchten gebastelt. Folgende Erfahrungen konnten das Team teilen:

  • SchülerInnen lassen sich leicht ablenken (in diesem Fall Jahrgangsstufe 8/9) – wichtig sind kleine Gruppen von 2-3 SchülerInnen pro ReparaturhelferIn (bei 230V-Reparaturen)
  • Aufsichtspflicht mit den LehrerInnen klären – es sollte durchgehend eine Lehrkraft im Raum anwesend sein
  • Die SchülerInnen brachten nur wenige kaputte Gegenstände mit – im Vorfeld einige defekte Geräte besorgen und mitbringen oder mit der Schule klären, ob es Dinge in ihrem Fundus gibt
  • Vorabinformation der Eltern in Elternbrief oder bei Elternabend klären
  • Wenn möglich vorab eine Ortsbesichtigung machen, um den Raum kennenzulernen und dann zum Projekt sicher einrichten zu könne.

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Anmerkungen und Ideen dazu gesammelt:

  • Es gibt Adventskalender mit Elektronikbasteleien, die sich gut für Projekte mit Kindern eigenen. Tipp: Nach Weihnachten kaufen…
  • Am wichtigsten ist eine kooperative und engagierte Lehrkraft. Vielleicht findet sie sich über persönliche Kontakte, vielleicht auch über einen Aushang im Lehrerzimmer. Dafür die Schulen postalisch anschreiben, das eigene Projekt und Vorhaben möglichst detailliert beschreiben und im Anschreiben bitten, den Brief am Schwarzen Brett im Lehrerzimmer zu veröffentlichen.
  • Grundsätzlich jede „Werbechance“ nutzen, an einer Schule vom Reparaturcafé zu berichten. Projekttage/-wochen oder Unterrichtsbeiträge können ein Eintritt sein, um vielleicht längerfristig Reparaturveranstaltungen an/mit der Schule durchzuführen.
  • Eine allgemeine Checkliste „So repariert man an Schulen“ dürfte schwierig zu erstellen sein, da die Voraussetzungen der Projekte und Schulen vor Ort sehr unterschiedlich sind. Eine Hilfestellung könnte die MindMap aus Nieder-Olm sein (PDF S.3ff)
  • Schulen planen Halbjahresrhyhtmus – mögliche Andockpunkte sind Projekttage-/Wochen, thematische Anknüpfung an Unterrichtseinheiten oder Wandertage (Klasse besucht Repair Café). Schulveranstaltungen wie Tage der Offenen Tür eignen sich weniger.
  • Berufsschulen mit handwerklich-technischer Ausrichtung könnten auch gut mit dem Reparaturthema adressiert werden, hier gibt es bereits spannende Projekte (bspw. in Kusel)
  • „Bastel“angebote für Kinder: Löten, Elektronikbausätze, Schrottbasteln, Holz, Hammer und Nägel, Leuchten aus Monitoren, PC in Getränkekiste bauen
  • Tritt man an Schulen heran, sollte man sich Gedanken machen, was man anbieten möchte und zu welchem Zweck. Lassen sich LehrerInnen gerne Arbeit abnehmen, kann man schnell „Dienstleister“ werden.

Weitere Idee, Hilfestellungen und eine Vorstellung verschiedener Projekte mit Kindern und Jugendlichen gibt es hier.

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